Kindertagesstätte Kirn

Kindertagesstätte Kirn

Wettbewerbsbeitrag

Wie eine kleine Ansammlung von Baumhäusern fügt sich die neue Kindertagesstätte am Waldrand in die Landschaft Kirns ein. Der robuste Gebäudesockel aus grauem Basalt bildet die ruhige Basis für die spielerisch versetzten Gruppenhäuser mit ihren grünen Doppel-Satteldächern, während die kompakte zweigeschossige Setzung größtmöglichen Freiraum schafft und den vorhandenen Baumbestand erhält. Eine zentrale Kinderstraße verbindet die unterschiedlichen Bereiche, Holz-Lehm-Konstruktion, Dachbegrünung und Photovoltaik verbinden das naturnahe Erscheinungsbild mit einem ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Gebäudekonzept.

+ EIN HAUS AUS HÄUSERN

Am Waldrand, nahe dem Hahnenbach und mit Blick auf die ansteigende Berglandschaft im Südwesten, findet die neue Kindertagesstätte ihren Platz in einem besonderen Naturraum. Kirn liegt eingebettet im Tal und ist durch seine topografische und geologische Geschichte geprägt. Der Entwurf greift diese Besonderheiten auf und entwickelt daraus das Bild eines naturnahen Erlebniskindergartens. Ein robuster, grauer Gebäudesockel bildet die ruhige Basis des Hauses. Er nimmt Bezug auf den historischen Basaltabbau in Kirn und die graue Farbigkeit der regionalen Bautradition. Auf diesem Sockel stehen die einzelnen Gruppenhäuser wie selbstverständlich in der Landschaft. Spielerisch zueinander versetzt, entsteht das Bild einer kleinen Ansammlung von Häusern im Wald. Sie greifen bewusst das kindliche Bild des Baumhauses auf. Das flache Doppel-Satteldach knüpft an die lokale Bautradition an und steht als archaisches Bild für Schutz und Geborgenheit. Zwei Grüntöne geben den Gruppenhäusern eine eigene Identität, die sich bis in die Dachflächen fortsetzt. Photovoltaik und Dachbegrünung verbinden das spielerische Bild mit einem zeitgemäßen, ressourcenschonenden Gebäudekonzept.

+ KOMPAKT FÜR MAXIMALEN FREIRAUM

Die städtebauliche Setzung folgt dem Prinzip eines kompakten, länglichen Baukörpers. Seine horizontale Achse nimmt Bezug auf die nördlich gelegene Kallenfelser Straße, während die leicht eingedrehte vertikale Achse zwischen der Grenze zur Sportanlage im Osten und dem Festplatz im Westen vermittelt. Leichte Versprünge gliedern das Volumen und erzeugen unterschiedliche Ansichten und Freiräume. Die Kindertagesstätte soll nicht zwischen den benachbarten Nutzungen trennen, sondern verbinden. Genau das leistet die Kinderstraße: Sie durchquert das Gebäude von Osten nach Westen und führt die verschiedenen Bereiche zusammen. Die Zweigeschossigkeit reduziert den Fußabdruck und schafft größtmöglichen Freiraum für die Kinder. Im Erdgeschoss befinden sich die drei U2-Gruppen sowie Personalbereich und Mensa, im Obergeschoss die sechs Regelgruppen und der Bewegungsraum. Die kompakte Setzung ermöglicht den Erhalt des gesamten vorhandenen Baumbestands. Geländemodellierungen im Osten und Westen unterstützen den Schallschutz und werden zugleich Teil der Landschaftsgestaltung. Der Hauptzugang mit Vorplatz liegt zum Festplatz im Westen. PKW-, Fahrrad- und Rollerstellplätze werden hier gebündelt. Eine separate Zufahrt im Norden erschließt den Anlieferbereich und den Müllstandort.

+ ENTDECKEN AUF DER WALDLICHTUNG

Die Außenanlagen verstehen sich als naturnaher Erlebnisraum und erweitern das pädagogische Angebot der Kindertagesstätte. Spiel, Bewegung, Rückzug und Naturerfahrung werden in drei klar gegliederten Bereichen miteinander verbunden. Das Herzstück bildet ist die Spielarena mit Sand-, Wasser- und Matschbereichen, Spielwiese sowie dem umlaufenden Loop als Bobbycar-Rennstrecke. Kletter-, Balancier- und Tobeelemente fördern Bewegung, Koordination und gemeinsames Spiel. Im Süden schließt der naturnah gestaltete Kinderwald an. Zwischen Bäumen, Sträuchern und Geländemodellierungen entstehen Rückzugsorte, Ausblicke sowie vielfältige Möglichkeiten zum Klettern und Balancieren. Der westliche Bereich ist auf Kinder unter zwei Jahren und die Arbeit mit Kleingruppen ausgerichtet. Ruhige Spielangebote, Sitz- und Liegeflächen sowie die Verbindung zum Lern- und Gemüsegarten schaffen einen geschützten Erfahrungsraum. Im Lehrgarten können die Kinder pflanzen, pflegen und Insekten beobachten. Im Nordosten liegen ruhigere Rückzugsbereiche mit Terrasse und Balkon. Der Balkon bildet zugleich die zentrale Verbindung der Regelgruppen im Obergeschoss und wird über eine Geländemodellierung selbstverständlich mit dem Außenraum verbunden. Die Freianlagen bleiben weitgehend unversiegelt und wasserdurchlässig. Der vorhandene Baumbestand wird vollständig erhalten und durch geeignete Neupflanzungen ergänzt. Holzhackschnitzel dienen als Fallschutz. Die wasserdurchlässige Ausbildung der Freiflächen und flache Geländemodellierungen ermöglichen eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung mit temporärem Rückhalt bei Starkregen. Wiesen- und Rasenflächen lassen den Kindergarten selbstverständlich in die Landschaft übergehen.

+ VERKEHRSFLÄCHE IST PROGRAMMFLÄCHE

Drei gleichwertige Gruppenbereiche ordnen sich windmühlenartig um einen gemeinsamen Spielflur, dessen Mitte ein Oberlicht natürlich belichtet und so zu einem hellen, gemeinschaftlichen Treffpunkt macht. Über die Spielflure lassen sich die Gruppen flexibel miteinander verbinden, so entstehen flexible Spiellandschaften und Nutzungsszenarien. Jede Gruppe verfügt über einen Gruppenraum, einen Ruhe- und Rückzugsraum, Lager und WC mit Dusche. Zwischen den Gruppen liegen gemeinsam nutzbare Funktionsräume. Garderoben, Teeküche und Nebenräume bilden den Übergang zum zentralen Foyer und schaffen klare Zugänge zu den Gruppenbereichen. Das Foyer wiederum verbindet die beiden Regelgruppencluster im Obergeschoss mit den U2-Gruppen sowie dem Personal- und Mensabereich im Erdgeschoss. Eine großzügige Sitzstufenanlage bildet einen informellen Treffpunkt und Wartebereich, von dem aus Aufzug, Sanitärräume, Bewegungsbereich und die Außenanlagen erschlossen werden. Über große Öffnungen lässt sich der Speiseraum mit Essensausgabe und Kinderküche mit dem Foyer verbinden. So entsteht bei gemeinschaftlichen Aktivitäten ein großzügiger, zusammenhängender Raum. Verwaltung und Küche liegen im Norden und verfügen über separate Servicezugänge und Personalterrasse.
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+ KURZE BEINE, KURZE WEGE

Die Organisation des Hauses folgt dem Prinzip kurzer und intuitiver Wege. Die Garderoben liegen unmittelbar an den Übergängen zum Außenraum und ermöglichen ein pädagogisches Konzept, bei dem Hausschuhe im gesamten Gruppencluster getragen werden können. Die zentrale Erschließung bildet zugleich den ersten Rettungsweg, ein zweiter führt direkt aus den Gruppenbereichen über eine Freitreppe in die Außenanlagen. Zusätzliche Verbindungstüren schaffen alternative Wege innerhalb der Gruppenbereiche und gewährleisten auch bei eingeschränkter Nutzbarkeit des Spielflurs eine sichere Erschließung.

+ WALDHÜTTE NEU GEDACHT

Das Tragwerk aus Holzrahmenwänden, Holzstützen und Holz-Lehm-Decken setzt konsequent auf den nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Fassadenverkleidung aus wilder Nut-und-Feder-Verschalung mit tiefen Fensterlaibungen übersetzt das Bild der Waldhütte in eine zeitgemäße Architektursprache. Die Geschosse werden durch Holz-Lehm-Elemente bedeckt. Zwischen den Holzträgern spannen Lehmkappendecken, die auf einer traditionellen Bauweise basieren und sich heute mit regional verfügbaren Lehmvorkommen ebenso zeitgemäß wie robust herstellen lassen. Holz und Lehm verbinden dabei nachwachsende und regionale Materialien mit einer robusten und atmosphärischen Konstruktion. Photovoltaik, Dachbegrünung und Regenwasserversickerung ergänzen das ressourcenschonende Konzept. So wird das BAUMHAUS selbst zum Teil der Landschaft und schafft einen Ort, an dem Kinder Natur nicht nur beobachten, sondern täglich erleben.

Kunde
Realisierungswettbewerb Stadt Kirn

Kooperationspartner
GDLA Landschaftsarchitektur

Ort
Kirn

Jahr
2026